Es hat sich einiges verändert: Manche erinnern sich noch an Zeiten, in denen Angaben zur Religionszugehörigkeit und den Berufen der Eltern unbedingt in den Lebenslauf gehörten. Heute sollten sie allenfalls mit aufgenommen werden, wenn es förderlich ist, weil es zur ausgeschriebenen Tätigkeit passt. Wie aber sieht es bei den persönlichen Interessen oder Hobbies aus? Dies bewerten Personaler unterschiedlich.

„Hobbies: Lesen, Reisen, Kochen“ – Mal ehrlich, was denken Sie selbst, wenn sich damit jemand präsentiert? Vermutlich: Ja schön, aber kann oder mag das nicht irgendwie jeder? Genau so dürfte es auch ein potenzieller Arbeitgeber sehen und sich fragen, was denn nun das besondere an der Person ist, die da gerade vor ihm sitzt. Oder gar, warum dieser Bewerber es für so nötig hält, solche Dinge im Lebenslauf anzugeben.

Auf Banales im Lebenslauf verzichten

Karriereexperten sind sich daher einig, dass zumindest solche selbstverständlichen oder banal klingenden Hobbies lieber nicht im Lebenslauf stehen sollten. Im Detail allerdings kursieren hierzu geteilte Meinungen. Die einen plädieren dafür, Interessen wie „Lesen“ oder „Reisen“ ganz zu streichen, könnte es doch so aussehen, als wollte der Bewerber hier intelligenter oder weltgewandter wirken, als er ist. Andere wiegeln ab: Gilt die Leidenschaft zum Beispiel einem besonderen Gebiet der Literatur, könnte es die Bewerbung aufwerten. Eine Person, die sich mit mongolischer Lyrik beschäftigt, möchte man vielleicht noch näher kennenlernen. Fraglich ist nur, ob es der potenzielle Arbeitgeber wirklich positiv bewertet. Ein Gespür für das Unternehmen und die konkrete Situation kann weiterhelfen.

Lieber konkret werden

Weniger banal wirkt auch alles, was sich in positiver Weise auf den Arbeitsplatz beziehen lässt. Sich für Kochen zu begeistern ist bei Aufgaben in der Gastronomie sicherlich nicht verkehrt. Jedoch sollte man sich auch hier besonders abheben können, etwa mit einem Faible für die kulinarische Küche Costa Ricas. Passt es allerdings ganz und gar nicht zur Philosophie des anvisierten Betriebs, könnte dies auch zum Eigentor werden. Also sollte man sich darauf einstellen, solch ein Interesse auch förderlich im Bewerbungsgespräch einbringen zu können oder es ansonsten lieber verschweigen.

Bei der Wahrheit bleiben

Auch wer sich für den Vertrieb bei einem namhaften Hersteller von Outdoor-Ausrüstung bewirbt und statt „Reisen“ konkret „Trekking-Touren“ oder „Bergwandern“ angibt, dürfte sein Profil damit aufwerten. Jedoch sollte es sich um ein tatsächlich praktiziertes Hobby handeln, zumal es womöglich Gesprächsstoff liefert. Wer dann bei einer Frage wie „Oh tatsächlich, waren Sie auch schon auf dem GR 20?“ nicht einmal weiß, dass dieser Fernwanderweg auf Korsika zu den bekanntesten und beliebtesten Trekking-Routen zählt, outet sich schnell als Schaumschläger. Keinesfalls also sollte man sich etwas ausdenken oder schon lange nicht mehr ausgeübte Hobbies erwähnen, nur um damit interessanter zu wirken.

Was Hobbies über Bewerber verraten

Einige Karrierecoachs sind der Ansicht: Hobbys sind zwar Privatsache, doch passend eingebracht, können sie sich als Plus bei der Bewerbung erweisen. Sie runden das Bild einer Persönlichkeit ab und können für zusätzliche Fähigkeiten stehen – vor allem für die zunehmend höher bewerteten Soft Skills. Sich in Wettkämpfen zu messen, steht für Ehrgeiz und Fairness. Wer regelmäßig Mannschaftssport betriebt, sollte teamfähig sein, wer Yoga macht, ist vielleicht besonders ausgeglichen. Kreative Hobbies wie Fotografieren oder Malen können in entsprechenden Branchen besonders förderlich sein.

Der richtige Zeitpunkt: Wann Interessen erwähnt werden sollten

Und dennoch: Eine Garantie dafür, dass ein Bewerber aufgrund seiner Hobbies zusätzlich qualifiziert ist, gibt es nicht – während sich Ausbildung, Studium und berufliche Tätigkeiten per Zeugnis oder Arbeitsproben erfassen lassen. Daher empfehlen andere Experten wiederum, sich bei privaten Aktivitäten eher bedeckt zu halten, ihnen zumindest nicht zu viel Raum bei der Bewerbung zu geben. Wer etwa vierzehn Hobbies aufzählt oder viel von seiner Freizeit spricht, nimmt es mit dem Beruflichen womöglich nicht so genau. Besondere Vorsicht ist bei extremen Aktivitäten geboten: Auch wenn Höhlentauchen oder Survivaltouren von Mut und Durchsetzungskraft zeugen können, ist doch das Ausfallsrisiko hier größer als beim Tischtennis.

Achtung: Nicht übertreiben

Die Skeptiker raten daher dazu, sich zumindest beim schriftlichen Lebenslauf mit privaten Angaben noch komplett zurückzuhalten. Passender ist es demnach, Hobbies und Interessen erst im Bewerbungsgespräch einzubringen – und auch dann nur wohldosiert in passenden Momenten. Etwa wenn der Personalchef direkt danach fragt oder es gerade gut zum Thema passt. Als Faustregel gilt, dass höchstens vier Hobbys genannt werden sollten. Dabei sollten Bewerber mit weniger „Feuer“ auf die privaten Interessen eingehen als auf die beruflichen Aspekte. So gelingt es zu zeigen: Ja, ich bin eine vielseitig interessierte Persönlichkeit, doch ganz besonders brenne ich für diesen Job.“